foodjustice

foodjustice ist ein Projekt von BLUE 21 e.V.

Arbeitsschwerpunkt ist zurzeit die Bildungsserie
Wer macht wie was mit wem? Zusammenarbeit für eine nachhaltige, gesunde Entwicklung in Nord und Süd

Zum Thema: Nicht übertragbare Krankheiten, vor allem Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen, sind laut der Weltgesundheitsorganisation WHO Auslöser von 63 Prozent der Todesfälle weltweit – davon 80 Prozent in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dort sind die Konsequenzen dieser Krankheiten besonders verheerend: wegen unzureichender Gesundheitsversorgung und mangelnder Aufklärung haben Menschen oft nicht die Möglichkeit, sich angemessen behandeln zu lassen. Vielen fehlt auch das Geld für Medikamente oder Arztbesuche. Die Verbreitung der nicht übertragbaren Krankheiten verschärft so die Armut und verhindert, dass Menschen sich aus prekären Lebensbedingungen befreien können.

Die Krankheiten behindern das Erreichen von mehreren Nachhaltigen Entwicklungszielen: Ziel 2 (Hunger beenden), 3 (Gesundheit für alle) und 1 (Armut beenden). Hunger und alle Formen der Mangelernährung sollen bis 2030 beseitigt werden, und alle Menschen sollen Zugang zu sicheren, nahrhaften Lebensmitteln haben. Vorzeitige Todesfälle durch nicht übertragbare Krankheiten sollen bis 2030 um ein Drittel verringert werden (Ziel 3.4). Der weltweite Ernährungswandel steht dem Erreichen dieser Ziele entgegen, da er nicht übertragbare Krankheiten fördert und somit auch zum Verbleib breiter Bevölkerungsschichten in Armut beiträgt. Indirekt steht diese Entwicklung also auch im Konflikt mit dem Erreichen von Ziel 1: Die Armut zu beenden. 

Die WHO macht vier Verhaltensweisen als Risikofaktoren für diese Krankheiten aus: Tabak-Konsum, Alkoholmiss-brauch, mangelnde Bewegung und ungesundes Essen. Tabakkonsum, Alkoholmissbrauch und ungesundes Essen sind dabei die Risikofaktoren, die durch eine Verbreitung der in den westlichen Industriestaaten vorherrschenden Ernährungs- und Genussgewohnheiten inzwischen stark in Entwicklungs- und Schwellenländern zu finden sind.

Diese Veränderung der Konsumgewohnheiten ist unter anderem dadurch begründet, dass weltweit operierende Unternehmen in den letzten Jahrzehnten die Märkte der Entwicklungs- und Schwellenländer erobert haben. Groß angelegte Marketingkampagnen machten salz- und zuckerhaltige sowie verarbeitete Lebensmittel bekannter und begehrt, Supermärkte verbreiteten sich. Beispiele für durch Handelsliberalisierungen herbeigeführte Konsumveränderungen sind die Steigerung des Konsums von weißem Reis und Weizen statt der zuvor üblichen Vollkorn-Varianten sowie ein genereller Rückgang des Getreidekonsums bei einem gleichzeitigen Anstieg der Aufnahme von Zucker, Fett und Fleisch.

Zivilgesellschaftliche Organisationen in den Ländern des Globalen Südens, die Gesundheit, Verbraucherschutz und eine regionale Ernährung fördern wollen, haben mit dem Erreichen ihrer Ziele Schwierigkeiten wegen des Einflusses der Industrie auf politische Entscheidungsträger. Zudem bekommen sie meist keine ausreichende Förderung, und staatlich verankerter Verbraucherschutz ist eher die Ausnahme.
 
Zu dem Thema erstellen wir verschiedene, unter anderem auch theaterpädagogische Bildungsformate.

Das Projekt wird gefördert

durch ENGAGEMENT GLOBAL mit finanzieller Unterstützung des BMZ (Förderprogamm entwicklungspolitische Bildung),

 

 

die Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Berliner Senats und

mit Mitteln des Evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes (Brot für die Welt).

 

Links zum Thema:

Materialien zur 56. Aktion des EED/Brot für die Welt
Ausgabe des Periodikums "Global Lernen" von EED/Brot für die Welt zum Thema Konsum und Ernährung
Grain.org: 
Free trade and Mexico’s junk food epidemic
Katalyse-Institut Köln im Auftrag des Deutschen Bundestages:
Studie zur Veränderungen der globalen Ernährungsgewohnheiten 
An Pan, Vasanti Malik and Frank B. Hu: 
Exporting Diabetes to Asia: The Impact of Western-Style Fast Food
International Food Policy Research Institute (IFPRI): 
Globalization of food and agriculture and the poor

 

Projektverantwortliche: Dinah Stratenwerth
stratenwerth@blue21.de